Wahlkampf 2.0 auch in Deutschland?
basicthinking berichtete gestern über die Pläne des Holtzbrinck Verlags, im anstehenden Bundestagswahlkampf mit allen relevanten Parteien zu kooperieren und so die 13 Millionen Mitglieder in den StudiVZ-Portalen zu mobilisieren. Der Verfasser des Textes, Rolf Maler, führte postwendend aus, er glaube nicht daran, das die deutschen Parteien soziale Netzwerke tatsächlich zu ihren Zwecken nutzen könnten. Ähnlich sieht es Thomas Knüwer im Handelsblatt, der in seiner Analyse des US-Wahlkampfes bezweifelt, dass das Modell Obama in der Kürze der Zeit kopiert werden könnnte. Ich stimme der Einschätzung zu, die große Mehrzahl der deutschen Politiker hätten keine Strategie, um das Web 2.0 für sich zu nutzen. Aber die Mobilisierung junger Wählerschichten muss nicht notwendigerweise durch Politiker selbst ausgehen. Vielmehr bietet sich die Chance, Bewegungen gegen die Politikverdrossenheit zu gründen: Politik als User Generated Content.
Düsseldorf versus Köln: Erfahrungsbericht eines Rookies
Man sagt, die Norddeutschen seien unterkühlt. Ich bin Norddeutscher und in diesem Jahr zum ersten Mal ins rheinische Haifischbecken Karneval geschmissen worden. Das Gedöns zwischen Kölnern und Düsseldorfern, welche nun die schönere, tollere, lebenswerte [...] Stadt ist, finde ich ziemlich albern. Nichtsdestotrotz ziehe ich ein kurzes Resümee der Karnevalsfeiern. Oder - um es frei nach Horst Hrubesch zu sagen - ich lass die letzten beiden Tage Paroli laufen. An Weiberfastnacht habe ich mich zum Selbstversuch nach Köln begeben, am Freitag wurden die Düsseldorfer Karnevalisten genauer unter die Lupe genommen.
Pathos regiert die Welt
“Change!” - Das war das große Schlagwort des Wahlkampfes in den USA im vergangenen Jahr. Die Euphorie um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama war groß - oder war es eher der Missmut über die Amtszeit von George W. Bush und dessen Republikanern? Egal! Der Weg von Obama war durch eines gekennzeichnet: Mit der Generierung von insgesamt 101.524.154 Dollar an Spendengeldern leistete er sich den teuersten Wahlkampf aller Zeiten und inszenierte sich damit auf eine noch nie da gewesene Weise.
Öffentlich-rechtliche Rechtsverdreher
Grundsätzlich möchte ich dem Kartellamt keine Willkür vorwerfen. Doch eine gewisse Inkosistenz ist zu erkennen, wenn wir uns die Vergabe der TV-Rechte für die Fußball-Bundesliga ab der Saison 2009/2010 anschauen. Dem ursprünglichen Übereinkommen der DFL mit der Agentur Sirius des Medienmoguls Leo Kirch erteilte man eine Absage, da es den Verbraucher benachteilige. Es müsse eine zeitnahe Übertragung der Bundesliga-Spiele am Samstag vor 20Uhr geben, die Live ab 15:30Uhr vom Pay-TV-Sender Premiere übertragen werden. Diese Vorgabe ist mit dem neuen Fernsehvertrag erfüllt - aber jetzt bricht ein Chaos wegen der Sonntagsspiele aus. Nicht mehr das DSF wird ab der kommenden Saison die Spiele am Sonntag zusammenfassen, sondern die ARD. Das macht sie aber erst in den Tagesthemen, vermutlich nicht vor 23Uhr wird es dann Bilder geben. Die Regionalsender sollen diese Aufgabe dann ab 21:45Uhr übernehmen.
DSDS ist kein Kinderspiel
Alle Jahre wieder…ist nicht nur der Beginn eines Weihnachtsliedes. Auch die Kritik an der Casting-Show Deutschland sucht den Superstar dürfen wir jedes Jahr aufs Neue verfolgen. Diesmal hat sich Peter Müller, Ministerpräsident des Saarlands, als erster Politiker zu der RTL-Sendung zu Wort gemeldet. Im Focus fragt er, ob man es weiterhin zulassen dürfe, dass dort Personen, die sich erkennbar nicht gegen die Verletzung ihrer Persönlichkeitsrechte wehren können, vorgeführt werden.
Natürlich sind viele Kommentare von Dieter Bohlen oder die Nachbearbeitungen mit Comic-Elementen durch die Produktionsfirma Grundy Light Entertainment herabwürdigend. Aber schauen wir uns die Teilnahmebedingungen bei DSDS doch mal genau an: Wenn du noch nicht 18 Jahre alt bist, müssen beide gesetzlichen Vertreter für dich unterschreiben (bei alleinigem Sorgerecht muss der alleinig Sorgeberechtigte unterschreiben). Es handelt sich bei den Kandidaten also um erwachsene Männer und Frauen oder Jugendliche, deren Erziehungsberechtigte ausdrücklich der Teilnahme zugestimmt haben. Das rechtfertigt keine Demütigungen, aber da mittlerweile die sechste Staffel läuft und jeder Kandidat sich über die Gepflogenheiten in fünf vorherigen Staffeln informieren konnte, muss sich jeder über die möglichen Folgen klar sein.
Glos in Guantanamo
Es gibt Politiker, die durch akribische Arbeit und entsprechendes Fachwissen in Gremien und der Öffentlichkeit auffallen. Es gibt aber auch Politiker, deren selbst auferlegte Aufgabe es ist, die Kontrahenten fortwähhrend anzugreifen und eine populistische Tirrade nach der anderen rauszuhauen - die sogenannten Parteisoldaten oder auch Wadenbeißer. Zu der zweiten Gruppe gehört zweifelsohne Michael Glos, seines Zeichens Bundeswirtschaftsminister…am liebsten a. D.
Aufgefallen ist Glos vor seinem Ministerammt vor allem durch markige Worte und Anfeindungen bei Sabine Christiansen, Maybritt Illner und den übrigen Talkshow-Granden Deutschlands. Dort konnte er seine Fähigkeiten optimal einbringen, die sich weitgehend auf energische Stammtischparolen beschränken. Das Amt des Wirtschaftsmministers wollte er selbst gar nicht ausüben, doch die Auswahl an CSU-Politikern zu diesem Zeitpunkt war dürftig und der Starrsinn der CDU/CSU-Fraktion sah nunmal vor, der bayerischen Schwesterpartei eine festgelegte Annzahl an Ministerposten anzubieten.
Tebrikler Mesut Özil
Als großer Werder-Fan freue ich mich natürlich besonders über die Nominierung von Mesut Özil in die deutsche Nationalmannschaft. Dieser Fall ist beispielhaft für Integration in Deutschland - im positivem wie im negativen Sinn. Denn es zeigt sich zum einen, dass junge Menschen mit türkischen Wurzeln bereit und willkommen sind, sich in Deutschland erfolgreich zu integrieren. In diesem Fall gibt es sogar ein Bekenntnis zu einem der wichtigsten deutschen Symbole - dem Adler auf der Brust. Zum anderen aber wird auf die Entscheidung Mesut Özils für die deutsche und nicht die türkische Nationalmannschaft zu spielen mit Unverständnis und sogar Beschimpfungen reagiert, vor allem von Menschen mit dem gleichen Hintergrund wie der Deutsch-Türke.
Kaum zu Glauben
Bereits am 24. Januar nahm Papst Benedikt XVI. die Exkommunikation von vier Bischöfen zurück, darunter die des Briten Richard Williamson. Jenes Klerikalen, der den Holocaust leugnet. Die gesellschaftliche und mediale Diskussion - oder besser Aufregung - darüber begann recht schleppend, erreicht derzeit allerdings ihren Höhepunkt. Ob dies mit der späten Reaktion der Bild-Zeitung zusammenhängt oder der Aufforderung der Kanzlerin an den Papst, die Position des Vatikans zum Holocaust klarzustellen, sei hier dahingestellt.
Bevor hier der fälschliche Eindruck entsteht, dieser Artikel thematisiere die Glaubensfrage, möchte ich klar zwischen Glauben und Gläubigen sowie der Institution Kirche differenzieren. Der Glaube ist die Quelle vieler Menschen, Kraft zu schöpfen. Die Institution Kirche dagegen beansprucht die Meinungsvertretung und Führung eben dieser Gläubigen, obwohl zahlreiche von ihnen nicht (mehr) zu ihren Mitgliedern zählen und viele Mitglieder die Positionen ihres Oberhauptes nicht teilen.
Wahlen 2009: Kräht da ein Hahn?
Nach langen Vorbereitungen, einigen Nervenzusammenbrüchen und mit großem Enthusiasmus eröffne ich hiermit das soziolot - den Tiefenmesser für Gesellschaft, Politik und der Medienlandschaft.
Long story short - let’s get ready to rumble…und zwar mit einem Ausblick auf das Superwahljahr 2009. Habe ich Ausblick gesagt? Eigentlich Ja, aber ich schaue zunächst gut zwei Wochen zurück. Am 18. Januar haben die Hessen ihren neuen Landtag gewählt. Nach einem Jahr als geschäftsführender Ministerpräsident führt Roland Koch das Land jetzt auch wieder ganz offiziell. Sein Koalitionspartner ist die FDP. Und hier wird die Geschichte erst interessant, denn wer kann eigentlich aus dem Stehgreif den Namen des Spitzenkandidaten der Liberalen in Hessen nennen?