Pathos regiert die Welt

Februar 16, 2009 · Posted in Politik 

“Change!” - Das war das große Schlagwort des Wahlkampfes in den USA im vergangenen Jahr. Die Euphorie um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama war groß - oder war es eher der Missmut über die Amtszeit von George W. Bush und dessen Republikanern? Egal! Der Weg von Obama war durch eines gekennzeichnet: Mit der Generierung von insgesamt 101.524.154 Dollar an Spendengeldern leistete er sich den teuersten Wahlkampf aller Zeiten und inszenierte sich damit auf eine noch nie da gewesene Weise.

Nach der Selbstinszenierung muss nun der Beweis folgen, ob er tatsächlich die immer noch einflussreichste Nation der Welt führen kann und seine Wahlversprechen einhalten wird. Daran will er sich messen lassen - das wird bereits jetzt detailliert kontrolliert. Und zwar in dem Medium, das Obama selbst am effektivsten während des Wahlkampfes zu nutzen wusste - das Internet. Mit dem Obameter analysiert die St. Petersburg Times aus Florida im Internet die Arbeit Obamas im Hinblick auf seine 510 Wahlversprechen. Der Pathos, mit dem Obama den Wahlkampf betrieb und so Massen für sich begeistern konnte, muss nun durch Pragmatik in den Hintergrund treten. Aber dazu scheint er noch nicht bereit zu sein.

Das hat zwei Folgen: Zum einen werden so Energien für die Bewältigung der tatsächlichen Probleme verschwendet und zum anderen auch eine Menge Geld - diesmal auf Kosten der Steuerzahler und nicht mehr des Spendenkontos. Nehmen wird die Amtseinführung von Obama. In Philadelphia brach er mit einem Zug Richtung Washington auf. Die Kosten für die Sicherung der Fahrt und den zahlreichen Zwischenstopps wird Millionen verschlungen haben. Gleiches gilt für die Feierlichkeiten in Washington, bei denen etwa 40.000 Sicherheitskräfte im Einsatz waren. Oder die Unterzeichnung des milliardenschweren Konjunkturpakets, das Obama am morgigen Dienstag in Denver im Zuge einer feierlichen Zeremonie in Kraft setzen möchte. Er wolle bewusst in einer von der Wirtschaft hart gebeutelten Region ein Zeichen setzen. Das ist Pathos pur und wird möglicherweise die Euphoriewelle mit weiterem Wasser beflügeln, aber Regierungsarbeit sieht anders aus.

Nach dem Kongressbeschluss über das Konjunkturpaket - in dem die vorher umgarten Republikaner den Anstrengungen, überparteilich zu regieren, mit ihrer Ablehnung dem Präsidenten einen ordentlichen Schuss vor den Bug setzten - lud er sie zum Cocktail-Abend ins Weiße Haus ein. Das ist lediglich eine Geste, genau wie die vorherigen Versuche, die Republikaner zur Zusammenarbeit zu bewegen. Aber sie bewirken bisher nichts und sind eher politische Theatralik als politisches Handeln. Und so merkt Justin Sayfie im Spiegel-Interview an, der Versuch der Überparteilichkeit sei redlich, aber die Ausführung bisher schlecht. Denn Obama versäumt es, die eigenen Parteimitglieder für Kompromisse zu mobilisieren. Bekanntlich kommt der Knochen nicht zum Hund - die Demokraten müssen den Anliegen ihrer Widersacher auch ein Stück weit entgegenkommen.

Mit “Yes, we can!” hat Obama die Amerikaner und auch Massen außerhalb der USA in seinen Bann gezogen. Mit der Selbstinszenierung des populärsten Präsidenten-Paares seit John F. Kennedy und seiner Frau Jaqueline sollte jetzt aber Schluss sein. Obama muss jetzt beweisen, dass er es wirklich KANN und nicht nur durch Eloquenz, Lässigkeit und Pathos eines politischen Opportunisten ins Weiße Haus eingezogen ist.

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