Tebrikler Mesut Özil

Februar 7, 2009 · Posted in Gesellschaft 

Als großer Werder-Fan freue ich mich natürlich besonders über die Nominierung von Mesut Özil in die deutsche Nationalmannschaft. Dieser Fall ist beispielhaft für Integration in Deutschland - im positivem wie im negativen Sinn. Denn es  zeigt sich zum einen, dass junge Menschen mit türkischen Wurzeln bereit und willkommen sind, sich in Deutschland erfolgreich zu integrieren. In diesem Fall gibt es sogar ein Bekenntnis zu einem der wichtigsten deutschen Symbole - dem Adler auf der Brust. Zum anderen aber wird auf die Entscheidung Mesut Özils für die deutsche und nicht die türkische Nationalmannschaft zu spielen mit Unverständnis und sogar Beschimpfungen reagiert, vor allem von Menschen mit dem gleichen Hintergrund wie der Deutsch-Türke.

“Ich habe mir die Entscheidung in den letzten Wochen nicht leicht gemacht, weil meine Familie und viele Freunde aus der Türkei stammen. Das ist auch keine Entscheidung gegen meine türkischen Wurzeln. Doch meine Familie lebt jetzt in der dritten Generation in Deutschland und ich bin hier aufgewachsen, habe mich immer wohl gefühlt, hier habe ich meine Chancen in den Junioren-Auswahlteams bekommen. Ich weiß, dass es die richtige Wahl ist.”

Die Erkärung Özils verdeutlicht ein Dilemma: Für viele junge Deutsch-Türken ist Deutschland Heimat, weil sie hier aufgewachsen sind und sich ein soziales Umfeld aufgebaut haben. Das Land ihrer Vorfahren, die Türkei, kennen sie dagegen nur aus dem Urlaub, pflegen aber weiterhin ihre Bräuche und Sitten. Das ist auch gut so, führt allerdings zu einem Gewissenskonflikt wenn es zu Entscheidungen kommt, wie sie Mesut Özil zu treffen hatte. Für Spiegel Online ist das ein Problem junger türkischstämmiger Fußballer in Deutschland, ich betrachte das als gesamtgesellschaftliches Thema.

Es muss eine entscheidende Voraussetzung für erfolgreiche Integration junger Türken in die deutsche Gesellschaft erfüllt werden. Und zwar von ihnen selbst: Sie müssen sich integrieren wollen und sich zu Deutschland bekennen - das bedeutet nicht, seine türkischen Wurzeln hinter sich zu lassen, vielmehr werden diese ein Teil der Gesellschaft. Die beleidigenenden Reaktionen auf Özils Entscheidung zeigt allerdings, das einige diese Bereitschaft vermissen lassen. Sie leben genauso wie Özil in Deutschland, sind hier aufgewachsen und haben einen ähnlichen sozialen Hintergrund wie er. Nichtsdestotrotz sehen sie nicht ihren Wohnort als Heimat an, sondern das Geburtsland ihrer Vorfahren. Sie identifizieren sich nicht  mit der deutschen Gesellschaft, deren Teil sie eigentlich sind. Ganz im Gegenteil: Sie haben große Vorbehalte dagegen, möglicherweise sogar Verachtung.Verwehrt man sich den sozialen, politischen oder auch rechhtlichen Gegebenheiten des Landes, in dem man lebt, ist Integration unmöglich. In diesem Fall hilft auch nicht, einen Schritt auf diese Menschen zuzugehen, weil sie schlichtweg kein Interesse an guten Argumenten und der deutschen Kultur haben. Bei dieser Bevölkerungsgruppe kann daher auch nicht von verfehlter Integrationspolitik seitens der Bundesregierung die Rede sein, sondern  nur von Integrationsunfähigkeit oder -unwillen der Betroffenen selbst.

Keineswegs beabsichtige ich hier ein Urteil über alle türkischstämmigen Mitbürger abzugeben oder Menschen mit Migrationshintergrund im Allgemeinen. Es geht hier tatsächlich nur um diejenigen, die sich der Gesellschaft verwehren, in der sie leben. Diese Gruppe bildet nur einen kleinen Teil, erfahren aber eine große gesellschaftliche Wahrnehmung, weil sie die Ressentiments schüren, die rechhtsradikalen Parteien Wähler in die Arme treiben. Dass die Mehrheit der Menschen mit türkischen Wurzeln Deutschland als Heimat ansieht, an der ihr Herz hängt, hat nicht zuletzt das EM-Halbfinale im vergangenen Sommer gezeigt, als nach dem deutschen Sieg über die Türken Fans beider Lager gemeinsam friedlich auf den Straßen feierten.

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