Wahlen 2009: Kräht da ein Hahn?

Februar 2, 2009 · Posted in Politik 

Nach langen Vorbereitungen, einigen Nervenzusammenbrüchen und mit großem Enthusiasmus eröffne ich hiermit das soziolot - den Tiefenmesser für Gesellschaft, Politik und der Medienlandschaft.

Long story short - let’s get ready to rumble…und zwar mit einem Ausblick auf das Superwahljahr 2009. Habe ich Ausblick gesagt? Eigentlich Ja, aber ich schaue zunächst gut zwei Wochen zurück. Am 18. Januar haben die Hessen ihren neuen Landtag gewählt. Nach einem Jahr als geschäftsführender Ministerpräsident führt Roland Koch das Land jetzt auch wieder ganz offiziell. Sein Koalitionspartner ist die FDP. Und hier wird die Geschichte erst interessant, denn wer kann eigentlich aus dem Stehgreif den Namen des Spitzenkandidaten der Liberalen in Hessen nennen?

Vor der Wahl wurde mir diese Frage durchweg mit einem Schulterzucken beantwortet. Nach der Wahl konnten zumindest einige Wenige mit der Beobachtung glänzen, das sei der mit dem grauen Oberlippenbart. Der gute Mann heißt übrigens Jörg-Uwe Hahn und seine Partei erzielte ein Rekordergebnis von 16,2 Prozent, nahezu eine Verdoppelung gegenüber der Wahl vor nur einem Jahr als 9,4 Prozent der hessischen Wähler der FDP ihre Stimme gaben. Aber die FDP war nicht der einzige Gewinner der Wahl: Mit 13,7 Prozent für Die Grünen und 5,4 Prozent für Die Linke vereinen die drei kleineren Parteien mehr als ein Drittel aller Wählerstimmen auf sich, während die beiden Volksparteien CDU und noch etwas mehr die SPD in absoluten Wählerstimmen deutlich verloren.

Was bedeutet dieses Ergebnis für das anstehende Wahljahr? Werden die frustrierten CDU- und SPD-Wähler etwa der FDP mit seinem weitgehend unbekannten oder auch konturlosen Spitzenkandidaten Hahn zu einem neuen Image als Protestpartei verhelfen, einem Bild, das Die Grünen vermeintlich bereits vor einem guten Jahrzehnt abgelegt haben? Wenngleich sich alle drei kleinen Parteien sicherlich über einen satten Stimmenzuwachs freuen, wäre ihnen eine solche öffentliche Wahrnehmung ein Graus. Nach aktuellen Umfragen zur Bundestagswahl müssen sie sich aber diesbezüglich keine Sorgen machen. Denn die Wahlforscher prognostizieren zwar eine Stagnation der CDU/CSU und deutliche Verluste bei der SPD, aber die kleineren Parteien gewinnen nicht so massiv hinzu, wie wir es in Hessen erlebt haben.

Können wir also abschließend eine Erkenntnis gewinnen nach der ersten von 15 Wahlen in 2009 (plus Bundespräsidentenwahl)? Die Antwort ist ein klares Jein! Die Tendenz der Abwendung von den zwei großen Volksparteien ist eindeutig erkennbar. Doch einige unbekannte Variablen bleiben: In Erinnerung ist der Endspurt der SPD vor der vergangenen Bundestagswahl 2005, der sich womöglich auch in diesem Jahr wiederholen könnte. Zudem werden erst in den nächsten Monaten die tatsächlichen Auswirkungen der Wirtschaftskrise auf den Arbeitsmarkt sichtbar, einem Indikator, an dem sich vor allem Bundeskanzlerin Angela Merkel messen lassen muss. Interne Querelen zwischen der CDU und der CSU sowie dem linken und rechten Flügel der SPD werden bei der Ausrichtung auf das Wahlprogramm unvermeidlich auftreten, die die Wähler zusätzlich verunsichern könnten.

Es bleibt also spannend. Ich werde den gesamten Prozess verfolgen und kommentieren, die Wahlprogramme der einzelnen Parteien ebenso in Kurzform vorstellen wie aktuelle Umfragen oder besondere Ereignisse, denn schon oft haben unerwartete Skandale erheblichen Einfluss auf den Wahlausgang genommen. Ich freue mich auf das Wahljahr und möchte es mit meinen Beiträgen und euren Kommentaren begleiten. Auch deshalb, weil ich noch nie vor einer Wahl so unentschlossen war und mir das soziolot vielleicht bei meiner Entscheidung helfen kann. Als Sportler sage ich: Am Ende wird der Bessere gewinnen…oder müsste es derzeit heißen: Das kleineres Übel?

Comments

One Response to “Wahlen 2009: Kräht da ein Hahn?”

  1. Hansenmann on Februar 4th, 2009 13:58

    Hallo Soziolot,

    Das ist doch aber zum Beispiel schonmal garnicht wahr. Wer wirklich meint das in Hessen eine grosse Koalition von FDP und Schwarz/Grun sein soll hat doch die Zeichen der Zeit nicht erkannt und soll sofort ganz schnell nach hause gehen. Was Sie da schreiben grenzt schon fast an das was ich vorhin schonmal gelesen habe, und zwar einen grosse Frechheit!

    Also ich werde mir das zumindest nicht mehr antun und werde hiermit der FDP sagen: Kommt doch wenn Ihr was wollt, da kann jeder machen wer will und wenn dann auch noch sowas geschrieben wird kann ich einfach nicht anders als zu sagen: hey, ihr da, was soll denn das?

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