Wahlkampf 2.0 auch in Deutschland?

Februar 26, 2009 · Posted in Gesellschaft, Medien, Politik 

basicthinking berichtete gestern über die Pläne des Holtzbrinck Verlags, im anstehenden Bundestagswahlkampf mit allen relevanten Parteien zu kooperieren und so die 13 Millionen Mitglieder in den StudiVZ-Portalen zu mobilisieren. Der Verfasser des Textes, Rolf Maler, führte postwendend aus, er glaube nicht daran, das die deutschen Parteien soziale Netzwerke tatsächlich zu ihren Zwecken nutzen könnten. Ähnlich sieht es Thomas Knüwer im Handelsblatt, der in seiner Analyse des US-Wahlkampfes bezweifelt, dass das Modell Obama in der Kürze der Zeit kopiert werden könnnte. Ich stimme der Einschätzung zu, die große Mehrzahl der deutschen Politiker hätten keine Strategie, um das Web 2.0 für sich zu nutzen. Aber die Mobilisierung junger Wählerschichten muss nicht notwendigerweise durch Politiker selbst ausgehen. Vielmehr bietet sich die Chance, Bewegungen gegen die Politikverdrossenheit zu gründen: Politik als User Generated Content.

Denn auch das haben wir in den USA im Wahlkampf gesehen: Prominente wie Ashton Kutcher, Dustin Hoffman, Leonardo DiCaprio oder Tobey Maguire rufen auf YouTube vor allem junge Menschen auf, von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen, weil die Themen jeden Einzelnen betreffen und jeder durch seine Stimme etwas bewegen kann. Nicht nur das Charisma von Obama hat so viele junge Menschen an die Wahlurnen getrieben. Vor allem Kampagnen wie die der Promis machten junge Wähler auf ihren potenziellen Einfluss aufmerksam. Es hilft natürlich, solche Kampagnen mit Promis zu mehr Aufmerksamkeit zu verhelfen, doch auch dieses Video von weiblichen Studenten wurde immerhin im fünfstelligen Bereich abgerufen.

Demokratie geht bekanntlich vom Volke aus und das Internet kann als Massenkommunikationsmedium die Basis sein, politische Bewgungen in Gang zu setzen. Da das Internet vorwiegend von einem jüngeren Publikum genutzt wird, kann insbesondere diese Gruppe, deren Interesse am politischen Geschehen in Deutschland sukzessive nachlässt, mobilisiert werden, sich wieder politisch und gesellschaftlich zu engagieren. Daher ist es für mich nicht von großem Interesse, ob die Politiker oder Parteien das Internet für sich zu nutzen wissen. Vielmehr sind es die Bürger, die hier ihre Meinung kund tun können und Ideen zu politischem Handeln fortentwickeln können, indem sie Anhänger für ihre Positionen finden. Ich möchte damit keinesfalls zum politischen Umsturz aufrufen, sondern eher alle jungen Politikverdrossenen ansprechen, ihre Stimme zunächst in dem ihnen vertrauten Medium Internet zu erheben und dann auch mit dem Gang zur Urne Stellung zu beziehen. “Demokratie wagen” war einst das Motto von Willi Brandt - wollen wir diesem Motto zu einem Revival verhelfen, dürfen wir nicht auf den ersten Schritt der Politiker warten, sondern müssen selbst aufstehen und uns Gehör verschaffen. Wahlkampf 2.0 muss vom Volk ausgehen.

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