CDU/CSU führt Umfragewerte ad absurdum
Während die SPD mit Münteferings erneuter Annäherung an Die Linke ihre Selbstdemontage weiter vorantreibt, werde ich aus der CDU/CSU derzeit nicht ganz schlau: Drei Entwicklungen, zwei Schwesterparteien, eine Kanzlerin und keine Erklärung.
Zunächst einmal haben wir die aktuellen Umfragen der Meinungsforschungsinstitute, die der CDU/CSU etwa ein Drittel der Stimmen bei der anstehenden Bundestagswahl prognostizieren. Damit sinkt die Partei um Bundeskanzlerin Merkel in der Wählergunst. Merkel selbst - und das ist die zweite Entwicklung - dürfte sich laut einer Stern-Umfrage dagegen der Hälfte der deutschen Wähler sicher sein, würde der Bundeskanzler direkt gewählt. Damit steigen Merkels Umfragewerte um drei Prozent, ihr Konkurrent Frank-Walter Steinmeier kommt lediglich auf 24 Prozent.
Diese beiden Trends sind offensichtlich gegenläufig. Die Verwirrung wird aber erst perfekt, wenn wir auf die Reaktionen aus der CDU/CSU schauen. Aus dem eigenen Lager sieht sich Merkel nämlich schärfster Kritik ausgesetzt. An der Spitze der Kritiker formiert sich Günther Öttinger, Ministerpräsident in Baden-Württemberg. Zu weit von der Basiswählerschaft habe man sich entfernt und vernachlässigt, die eigenen Werte zu betonen.
Wir haben also sinkende Umfragewerte für die CDU/CSU, steigende für Merkel und die eigenen Gefolgsleute machen ihre Bundeskanzlerin für die Misere verantwortlich. Michael Spreng schreibt in seinem neuen Blog SPRENGSATZ dazu, dass sei die typische Rhetorik von Berufspolitikern, die eher an die eigenen Pfründe beziehungsweise derer der Partei denken als an das Land, dem sie sich mit ihrem Amtseid (zumindest die Abgeordneten und Kabinettsmitglieder auf Bundes- wie Landesebene) verpflichtet haben. Vielleicht ist es auch nur der Versuch einiger, sich im Fall eines schlechten Wahlergebnisses für die CDU/CSU schon mal für den Parteivorsitz oder gar das Bundeskanzleramt zu positionieren. Oder wollen die Akteure einfach nur von eigenen Unzulänglichkeiten ablenken. Eine endgültige Erklärung bleibe ich an dieser Stelle schuldig. Die werden die Beteiligten möglicherweise selbst liefern. Oder sie eifern einfach der SPD nach und beginnen einen Kreuzzug gegen ihre Wählerschaft durch bürgerferne personelle wie inhaltliche Entscheidungen.
Während ich mich mit dieser Erklärung schwer tue, erklären Ronald Pofalla und Dirk Niebel in diesem Video bilderbuchmäßig, warum in den vergangenen Jahren die Wahlbeteiligung immer weiter gesunken ist. Lasst es uns Politikverdrossenheit 101 nennen.
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