Nach INFECT09 ist vor BarCampRuhr2
Zugegebenermaßen kommt meine Nachbetrachtung der INFECT09 in Düsseldorf mit einer Woche Verspätung.
Nachdem ich die gewonnenen Erkenntnisse also lang genug hab wirken lassen, bietet sich eine Verknüpfung mit der nächsten Veranstaltung an, die ich besuchen werde: Das BarCampRuhr2. Es folgt auf die perfekt organisierte Konferenz über virales Marketing die Ad-hoc-Nicht-Konferenz aus Bloggern. Da ich nicht nur an den technologischen Trends interessiert bin, sondern auch den gesellschaftlichen Entwicklungen im und durch das
Internet, beschäftige ich mich in letzter Zeit mit einer These, die ich auf der INFECT09 nicht zum ersten Mal gehört habe: Menschen, die sich nicht online vernetzen und eine virtuelle Existenz aufbauen, werden zu Außenseitern.
Es wird den vielen guten (neben den wenigen schlechten) Vorträgen nicht gerecht, nur einen hier hervorzuheben. Gerne werde ich zu Björn Ognibeni ein anderes Mal etwas schreiben, der sich mit dem sich wandelnden Sozialverhalten von Konsumenten im Internet befasst hat oder zu Rüdiger Busche, der abseits des Internets mit Ambient-Werbung in allen Altersgruppen Erfolg hat. Aber um nicht von der eingangs erwähnten streitbaren These abzuweichen, fokussiere ich mich nun zunächst auf folgende zwei Herren.
Nils Müller und Thorsten Rehder von Trendone haben der Ankündigung des Moderators Alex Felsenberg Taten folgen lassen und eine wirklich spektakuläre Präsentation über Konsumenten in der sich entwickelnden hyperlokalen Welt gehalten. Mit anderen Worten: Wie werden technologische Entwicklungen im Zusammenspiel mit der zunehmenden Vernetzung unsere Welt von morgen beeinflussen? Immer mehr Informationen über unsere Vorlieben, Verhaltensweisen und Konsumgewohnheiten geben wir heute schon im Internet preis oder werden durch Kreditkarten oder Abbuchungen gesammelt. In Zukunft würden durch mobile Anwendungen diese Informationen direkt am Point-of-Sale uns beim Kauf neuer Produkte weiterhelfen oder über Gesprächspartner Auskunft geben. Dabei reagierten diese Anwendungen nicht mehr nur auf Befehl, sondern auch eigenständig auf die Umgebung oder sogar auf Reize, die unser Gehirn aussendet.
Das kann man gut finden oder auch nicht. Und ebenso kann man sich diesen Entwicklungen anpassen oder sie ablehnen. Es muss jeder für sich selbst entscheiden, ob er beispielsweise Informationen über sich auf dem Hemd projiziert haben möchte, das er gerade trägt. Man steht in diesem Fall also nicht mehr vor der Entscheidung, welche Informationen man zu einer bestimmten Zeit preisgibt, sondern ob man im Voraus der Offenelgung aller persönlichen Daten aus Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft zustimmt. Die entscheidende Frage bleibt dabei: Grenze ich mich selbst sozial aus, folge ich der vollkommenen Transparenz meines Lebens nicht?
In Gesprächen mit eingefleischten Web2.0ern habe ich immer häufiger das Gefühl, sie würden die Frage mit Ja beantworten. Ich hingegen glaube anhand der Erfahrungen aus meinem privaten wie beruflichen Umfeld, dass die große Mehrheit heute das soziale Internet nicht nutzt wie es viele propagieren oder Studien suggerieren. Das Web3.0 soll also Leute einfangen, die noch nicht einmal dem Web2.0 treu sind. Ich wage das zu bezweifeln, lasse mich aber gern von guten Argumenten überzeugen. Und an dieser Stelle kommt das BarCampRuhr2 ins Spiel, wo ich eben dieser Frage auf den Grund gehen möchte. Die Ergebnisse dazu gibt es ab Samstag hier im Blog, bei Facebook und Twitter.
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