Webciety auf der CeBIT ein Flop

März 9, 2009 · Posted in Gesellschaft, Medien 

Am vergangenen Mittwoch war ich auf der CeBIT in Hannover. 25 Prozent weniger Aussteller gegenüber dem Vorjahr sprechen eine deutliche Sprache über den Erfolg der weltgrößten ITK-Messe. Trotzdem werden einige Bereiche durchaus positiv bewertet. In einem Fall zu Unrecht: Webciety. Die Webciety - als Sinnbild der Vernetzung der Gesellschaft im Internet - gab Unternehmen mit internetbasierten Diensten die Gelegenheit, sich auf der CeBIT zu präsentieren. Fünf Gründe, warum die Webciety ein Flop war.

1) Die Zahl der Aussteller belief sich im Bereich Webciety auf magere 24 Unternehmen. In diesem Interview vom 21.10.2008 spricht Mitorganisator Sascha Lobo noch davon, dass es eine “begrenzte Anzahl von Plätzen” gebe und suggeriert damit, dass man sich beeilen müsse, um noch einen der heiß begehrten Stände in der Webciety zu ergattern. Es mutet doch sehr seltsam an, dass 24 Unternehmen das mit unzähligen Playern gespickte World Wide Web repräsentieren.

2) Die Webciety war nicht nur irgendein Teilbereich der CeBIT. Nein, es war in diesem Jahr sogar das Leitthema der gesamten Messe. Die dafür eingeräumte Fläche von geschätzten 1.000 Quadratmetern im hinteren Bereich der Halle 6 spiegelt das nicht wieder. Vor allem nicht, wenn man es in Relation zu Ständen wie dem der Deutschen Telekom setzt, die auf mehreren Tausend Quadratmetern ausstellte.

3) Wo waren eigentlich die vielen großen Anbieter von Web2.0-Diensten - insbesondere die deutschen? Weder XING oder mixxt, noch sevenload oder videoload waren in der Webciety aufzufinden.

4) Es heißt, in der Webciety sei im Vergleich zum Rest der CeBIT viel los gewesen. Mit Verweis auf Punkt 2  ist das auch nicht verwunderlich - wenig Platz, dichtes Gedränge. Man muss sich aber aus Sicht der Aussteller auch fragen, wer diesen Bereich besucht hat. Es waren vor allem die üblichen Verdächtigen, die “avantgardistischen Vertreter einer Szene”, die sich ohnehin auf Barcamps oder ähnlichen Veranstaltungen tummeln. Aber konnten die vertretenen Unternehmen wirklich die Kontakte knüpfen, wegen derer sie auf die CeBIT gekommen waren?

5) Der letzte Punkt befasst sich mit der Berichterstattung über die Webciety, die das Projekt als vollen Erfolg preisen. Wer sind die Verfasser? Es ist Sascha Lobo selbst, für den “die Webciety sehr gut funktioniert hat” - zugegeben: Was soll er auch sagen? Für andere sticht die Webciety aus der Masse hervor oder sorgt für eine Menge Schwung. Für Ossi Urchs “waren hier inhaltlich und atmosphärisch die Höhepunkte der Cebit zu erleben”. Long story short: Es sind die Akteure, die ohnehin seit Jahren das Web2.0 in höchsten Tönen loben. Es war von vornherein klar, das sie auch von der Webciety begeistert sind. Hätte es dort Exkremente vom Hallendach geregnet, sie hätten es Kot2.0 gepriesen und sich genüsslich darin gesuhlt.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass das Rahmenprogramm mit ständigen Podiumsdiskussionen und der Twitter-Wall wirklich ansprechend und aufregend war. Zudem ist die Idee hinter der Webciety fantastisch, denn gerade erst hat diese Studie gezeigt, dass auch in Deutschland gesellschaftliche Prozesse immer mehr im Internet stattfinden. Aber man darf nicht in der Euphorie um den Trend sozialer Netzwerke und den begleitenden Diensten oder Applikationen ein erfolgloses Projekt hochjubeln. Lobo wird während der Planungen sich nicht bloß 24 Aussteller zum Ziel gesetzt haben. Die Webciety basiert auf einer klugen Idee - vielleicht ist die CeBIT nur nicht das richtige Umfeld dafür.

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