Blogger-Sturm im Facebook-Glas

April 27, 2009 · Posted in Gesellschaft, Medien 

Bei Facebook haben die Nutzer für die neuen Nutzungsbedingungen gestimmt. Die Abstimmung wurde nach zahlreichen Protesten gegen die von Facebook erarbeiteten Nutzungsbedingungen notwendig, jetzt enthalten sie Rückmeldungen von Nutzern und Experten. Doch die Abstimmung ist ernüchternd. Vor der Abstimmung wurde die Direktive ausgegeben, sie würde nur angenommen, wenn ein Drittel der Facebook-Nutzer - also ca. 60 Millionen - teilnehmen. Aber nur schlappe 0,3 Prozent stimmten weltweit ab. Das Ganze zeigt zwei Dinge: 1) Es gibt im Netz Meinungsführer, die durch ihre Kritik Trittbrettfahrer mobilisieren können, um so für einen vermeintlichen Aufstand zu sorgen. 2) Die überwältigende Mehrheit der Internetnutzer schert sich eigentlich gar nicht um diesen Aufruhr bzw. was mit ihren Daten seitens der Netzwerkbetreiber gemacht wird.

Den ersten Punkt könnte verwechselt werden mit Macht, die Blogger und andere Meinungsführer im Internet haben, Themen zu beeinflussen, da das Ziel überarbeiter Nutzungsbedingungen erreicht wurde . Doch der Schein trügt. Denn der erste Aufruhr im Februar, der es selbst in Medien wie Spiegel Online schaffte, ist angesichts der Abstimmungsbeteiligung nichts weiter als ein Strohfeuer gewesen. Diese wenigen Kritiker - egal ob ihre Kritik berechtigt war oder nicht - haben allerdings nicht die Rückendeckung in der Gesellschaft, die die Reaktionen suggeriert haben. Das liegt an der Systematik von Blogs: Deren Popularität lebt von Verlinkungen. Ohnehin schon populäre Blogs werden öfter mit anderen Einträgen zitiert und verlinkt. Artikel dieser Meinungsführer verbreiten sich also exponentiell.

Der Logik des Trittbrettfahhrens folgt übrigens auch Bernd Ziesemer, Chefredakteur des Handelsblatts, im Interview mit der WamS. Er merkt vollkommen zu Recht an, dass investigativer Journalismus kaaum durch Blogger zu erfüllen ist. “Gut recherchierende und gut schreibende Journalisten können stolz auf ihre Arbeit sein. Und sie können auch nicht ersetzt werden. Das Internet wäre eine traurige Veranstaltung, wenn es nicht ständig durch Printjournalisten gefüllt werden würde. Lächerlich wird es dann, wenn Medienblogger darüber schreiben, dass der Niedergang der Zeitungen unaufhaltsam sei, und dann kräftig mit den Printmarken verlinken. Offensichtlich verstehen viele nicht, dass der Referenzraum nach wie vor die klassischen Medien sind.”

Wie sollen auch Blogger die die Aufgaben von Journalisten übernehmen, wenn selbst bei renommierten Redaktionen das Geld knapp wird. Sozialen Medien haben eines gemeinsam: Sie haben noch keinen Weg gefunden, ihre Dienste zu monetarisieren. Und wenn wir uns die Skandale der letzten Monate ansehen wie den Datenskandal bei der Telekom oder der Deutschen Bahn, dann wurden die von Journalisten aufgedeckt und nicht von Bloggern. Blogger können solche Themen lediglich breiter streuen. Jetzt könnte man denken, mit dieser Meinung schaufele ich mir mein eigenes Grab als Blogger. Dem entgegne ich, dass ich Blogs als Meinungsmedien verstehe. Wir Blogger greifen Themen auf, die woanders ihren Ursprung haben. Wenn unsere Meinung plausibel argumentiert ist und die Artikel halbwegs leserlich geschrieben sind, dann gewinnen wir regelmäßige Leser, von denen einige wiederum darüber Bloggen. Man darf dabei nicht der Suggestion unterliegen, Blogger decken etwas noch nicht dagewesenes auf. Wirkliche Inhalte produzieren nur die wenigsten. Am besten schließt dieser Artikel mit einem Zitat aus meinem Lieblingsfilm “Bang Boom Bang”: “Die bescheißen uns - Wir bescheißen einen anderen: Kreislauf!”

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