Sandwich: Westerwelles Stellung zwischen Merkel und Guttenberg
Wirtschaft, Arbeit, Steuern. Das waren die Themen des Bundestagswahlkampfes, bei denen insbesondere die FDP und ihr Spitzenkandidat Westerwelle versuchten, sich zu profilieren. Nun übernimmt der vermeintlich starke FDP-Chef das Außenministerium und überlässt die wichtigen übrigen Felder weitaus unpopuläreren Protagonisten. Damit schießt er sich selbst ins Knie, denn seine Erfolgsaura wird zwischen den geltungsbewussten Alpha-Tieren Merkel und Guttenberg schnell verblassen. Und über allem steht die Frage: Kann er überhaupt Außenminister?
Spiegel Online greift in einer lesenswerten Serie die Erwartungen der wichtigsten Hauptstädte der Welt an den neuen Außenminister auf. Der Tenor: Westerwelle ist weitgehend unbekannt und dort, wo man ihn kennt, hat er sich bislang wenig Freunde gemacht. Während sein Bekanntheitsgrad in Großbritannien gegen null tendiert, zeigen sich die Franzosen darüber irritiert, dass der 82-Jährige Genscher - Symbol der Vergangenheit und keinesfalls des Aufbruchs - als sein engster außenpolitischer Berater gilt.
Viel schwerer als seine außenpolitische Profillosigkeit wiegt allerdings Westerwelles Position innerhalb der Regierung. Auf der einen Seite Kanzlerin Merkel, die sich in ihrer ersten Legislaturperiode vor allem auf dem internationalen Parkett profilierte. Und auf der anderen Seite der neue Verteidigungsminister Guttenberg, der nicht nur beliebtester deutscher Politiker ist, sondern sich zudem bereits einen Namen in Washington gemacht hat. Darüber hinaus artikulierte er unverhohlen außenpolitische Ambitionen, wie zum Beispiel gegenüber der dpa: “Sicherheitspolitik ist ein Teil Außenpolitik und die Außenpolitik ist immer ein Teil Sicherheitspolitik”.
Dass Westerwelle sich die Show stehlen lassen und sich nur schwerlich gegen Guttenberg und Merkel durchsetzen wird, liegt allerdings nicht nur an den starken Persönlichkeiten über und unter ihm, sondern möglicherweise vor allem an ihm selbst. Denn er könnte DER Comedy-Minister der deutschen Außenpolitik werden. Schon jetzt ist das YouTube-Video legendär, in dem sich Westerwelle weigert, einem britsichen Journalisten eine Frage in Englisch zu beantworten. Dabei war ihm wohl bewusst, dass er sich wahrlich seinem Englisch schämen muss, wie unteres Video eindrucksvoll beweist. Interessant und nicht minder lustig ist auch die Facebook-Fanpage Westerwave - no one can reach me the water, der übrigens mehr als doppelt so viele Leute angehören wie der FDP-Gruppe und dem Westerwelle-Profil auf Facebook zusammen.
Mit seinen Paradethemen Wirtschaft und Steuern hätte er Superminister werden können und somit den Ankündigungen im Wahlkampf Taten folgen lassen. Jetzt begibt er sich auf ein Feld, das er weder beherrscht noch das politische Gewicht hat, um sich durchzusetzen und ergo sich zu profilieren. Die Opposition wird es freuen, denn so unterhöhlt Westerwelle selbst das Fundament der FDP, das er in elfjähriger Arbeit auf der Oppositionsbank mühsam aufgebaut hat.
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2 Responses to “Sandwich: Westerwelles Stellung zwischen Merkel und Guttenberg”
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Dr Schäuble … oder wie ich lernte, die Merkel zu lieben…
Tagebucheintrag 091026, wir Hatte ihr ja nie so besonders viel zugetraut, aber dieser neue Schachzug zeugt wirklich von Weitblick. Die Diktatur der Demokratie rückt in greifbare Nähe! Keine 4 Jahre mehr … Das muß man ihr lassen: sie weiß, was……
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