Boah, ist der Diekmann!
Polarisierung und Provokation sind ein untrennbares Wortpaar. Neben Theo Sarrazin oder Henryk M. Broder gehört Bild-Chefredakteur und -Herausgeber Kai Diekmann zu den Persönlichkeiten in Deutschland, denen der Ruf anhaftet, mit gezielten Aussagen die Bevölkerung immer wieder zu spalten. Nun hat sich der Letztere in eine Sphäre getraut, in der die Antipathie gegenüber Diekmann Höchstwerte erzielt: Die Blogosphäre. Und wie sollte es anders sein - allein der Launch von www.kaidiekmann.de hat zu einer Welle der Entrüstung geführt. Und dies nicht nur zu Unrecht, sondern auch auf eine Art und Weise, die jedem Kritiker des Web2.0 neues Futter liefert.
Zensursula: Münchhausen ist eine Frau
Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik hat eine Petition so viele Anhänger gehabt wie die gegen Internetsperren: 134.014 Bundesbürger schlossen sich gegen den Gesetzentwurf von Bundesfamilienministerin Zensursula von der Leyen unter dem Fadenschein der Bekämpfung von Kinderpornographie zusammen. Trotz des breiten Protests verabschiedete der Deutsche Bundestag mit den Stimmen der Großen Koalition Zensursula. Zensursula hat nicht nur viele Schwächen, sondern ist darüber hinaus grundrechtlich fragwürdig und wurde in extrem populistischer Weise argumentiert.
soziolot am Sonntag: Ihr bestimmt via Facebook!
In meiner neuen Facebook-Gruppe könnt ihr jetzt bestimmen, zu welchem Thema ich am Sonntag bloggen werde. Neben Ruhm und Ehre wird dem Initiator des Gewinner-Vorschlags auch eine Belohnung zuteil. Also werdet interaktiver Teil vom soziolot und sagt mir, worüber ich schreiben soll.
Twittern Twitterer Iran zur Revolution?
Twitter ist eines von vielen Kommunikationsinstrumenten im Internet. Viele beschreiben Twitter sogar als DAS Medium der Zukunft. Ich habe mir noch keine abschließende Meinung gebildet, ob das wirklich so eintreffen wird. Ich springe allerdings auf keinen Fall auf den Zug derer auf, die Twitter bereits jetzt als gesellschaftliche Revolution bezeichnen. Revolution ist auch das richtige Stichwort für diesen Beitrag, denn die derzeitigen Demonstrationen im Iran gegen das vermeintlich gefälschte Wahlergebnis sollen via Twitter organisiert worden sein. Da denke ich doch einfach mal kritisch drüber nach.
Blogger-Sturm im Facebook-Glas
Bei Facebook haben die Nutzer für die neuen Nutzungsbedingungen gestimmt. Die Abstimmung wurde nach zahlreichen Protesten gegen die von Facebook erarbeiteten Nutzungsbedingungen notwendig, jetzt enthalten sie Rückmeldungen von Nutzern und Experten. Doch die Abstimmung ist ernüchternd. Vor der Abstimmung wurde die Direktive ausgegeben, sie würde nur angenommen, wenn ein Drittel der Facebook-Nutzer - also ca. 60 Millionen - teilnehmen. Aber nur schlappe 0,3 Prozent stimmten weltweit ab. Das Ganze zeigt zwei Dinge: 1) Es gibt im Netz Meinungsführer, die durch ihre Kritik Trittbrettfahrer mobilisieren können, um so für einen vermeintlichen Aufstand zu sorgen. 2) Die überwältigende Mehrheit der Internetnutzer schert sich eigentlich gar nicht um diesen Aufruhr bzw. was mit ihren Daten seitens der Netzwerkbetreiber gemacht wird.
Nach INFECT09 ist vor BarCampRuhr2
Zugegebenermaßen kommt meine Nachbetrachtung der INFECT09 in Düsseldorf mit einer Woche Verspätung.
Nachdem ich die gewonnenen Erkenntnisse also lang genug hab wirken lassen, bietet sich eine Verknüpfung mit der nächsten Veranstaltung an, die ich besuchen werde: Das BarCampRuhr2. Es folgt auf die perfekt organisierte Konferenz über virales Marketing die Ad-hoc-Nicht-Konferenz aus Bloggern. Da ich nicht nur an den technologischen Trends interessiert bin, sondern auch den gesellschaftlichen Entwicklungen im und durch das
Internet, beschäftige ich mich in letzter Zeit mit einer These, die ich auf der INFECT09 nicht zum ersten Mal gehört habe: Menschen, die sich nicht online vernetzen und eine virtuelle Existenz aufbauen, werden zu Außenseitern.
Amoklauf in Winnenden: Politiker und Journalisten schießen scharf
Mit einigem Abstand zum Amoklauf in Winnenden lohnt es sich, einen Blick auf Reaktionen und die öffentliche Wahrnehmung zu werfen. Während sich Politiker aller Parteien einmal mehr einen Wettkampf um die drastischste Maßnahme gegen Waffenbesitz und Killerspiele lieferten, zeigte die Berichterstattung im Internet, dass der von der Bild Zeitung protegierte Bürgerjournalist bereits Realität ist.
Webciety auf der CeBIT ein Flop
Am vergangenen Mittwoch war ich auf der CeBIT in Hannover. 25 Prozent weniger Aussteller gegenüber dem Vorjahr sprechen eine deutliche Sprache über den Erfolg der weltgrößten ITK-Messe. Trotzdem werden einige Bereiche durchaus positiv bewertet. In einem Fall zu Unrecht: Webciety. Die Webciety - als Sinnbild der Vernetzung der Gesellschaft im Internet - gab Unternehmen mit internetbasierten Diensten die Gelegenheit, sich auf der CeBIT zu präsentieren. Fünf Gründe, warum die Webciety ein Flop war.
Wahlkampf 2.0 auch in Deutschland?
basicthinking berichtete gestern über die Pläne des Holtzbrinck Verlags, im anstehenden Bundestagswahlkampf mit allen relevanten Parteien zu kooperieren und so die 13 Millionen Mitglieder in den StudiVZ-Portalen zu mobilisieren. Der Verfasser des Textes, Rolf Maler, führte postwendend aus, er glaube nicht daran, das die deutschen Parteien soziale Netzwerke tatsächlich zu ihren Zwecken nutzen könnten. Ähnlich sieht es Thomas Knüwer im Handelsblatt, der in seiner Analyse des US-Wahlkampfes bezweifelt, dass das Modell Obama in der Kürze der Zeit kopiert werden könnnte. Ich stimme der Einschätzung zu, die große Mehrzahl der deutschen Politiker hätten keine Strategie, um das Web 2.0 für sich zu nutzen. Aber die Mobilisierung junger Wählerschichten muss nicht notwendigerweise durch Politiker selbst ausgehen. Vielmehr bietet sich die Chance, Bewegungen gegen die Politikverdrossenheit zu gründen: Politik als User Generated Content.